Beim KI-Stammtisch Ende März im Ankerplatz hat Oliver Werner live vorgeführt, was Anthropics Claude Code in der Praxis leistet – und warum gerade so viele den Wechsel von ChatGPT wagen. Von smarten Projekträumen über autonome Agenten bis hin zur nüchternen Datenschutz-Frage: Ein Abend voller konkreter Einblicke, der deutlich machte, dass wir erst am Anfang einer langen Reise stehen.

Von der Chat-Box zum digitalen Mitarbeiter

Oliver Werner öffnet seinen Laptop, tippt einen einzigen Prompt – und Claude Code legt ohne weiteres Zutun eine komplette Ordnerstruktur an: Briefings, Grafiken, Quellen, Themenupdates. Kein einziges Wort der fertigen Präsentation stammt von ihm persönlich. Genau dieser Moment brachte den Abend auf den Punkt.

Am 30. März 2026 trafen wir uns wieder zum monatlichen KI-Stammtisch im Ankerplatz Springe. Oliver Werner, der unsere Runde schon mehrfach mit seinen Insights bereichert hat, hatte das ursprünglich geplante Thema kurzfristig getauscht – denn auf LinkedIn und in der Community war gerade ein Thema in aller Munde: Claude Code von Anthropic und der Trend, von ChatGPT wegzuwechseln.

Drei Phasen – und wir stehen erst am Anfang

Oliver skizzierte zunächst, wo wir gerade stehen. Seit dem Start von ChatGPT im November 2022 hat sich die KI-Welt in drei gut erkennbaren Schüben entwickelt:

  • Phase 1 – Chatten (ab Ende 2022): Texteingabe, Fragen stellen, erste Dokumente generieren.
  • Phase 2 – Vibe Coding (ab Ende 2024): Programmieren ohne Programmierkenntnisse, ganze Webanwendungen per Prompt erstellen.
  • Phase 3 – General Agents (heute): Die KI übernimmt eigenständig Aufgaben im Hintergrund – terminiert, recherchiert, strukturiert – ohne dass man selbst am Rechner sitzen muss.

Olivers Einschätzung: Wir haben von einem möglichen Zehn-Jahres-Zyklus gerade einmal die ersten 30 Monate hinter uns. Was noch kommt, lässt sich erahnen – aber nicht vollständig vorhersagen.

Was Claude Code konkret kann

Der Kern des Abends war eine Live-Demo. Oliver zeigte, wie Claude Code als Desktop-Anwendung funktioniert – und was es vom gewohnten Chat-Interface unterscheidet:

Projekte mit echtem Gedächtnis. Wer ein Projekt anlegt, gibt Claude Zugriff auf einen lokalen Ordner. Alle Ergebnisse, Recherchen und Gesprächsverläufe landen dort – dauerhaft und kontextgebunden. Wer etwa für mehrere Kunden arbeitet, legt einfach je ein Projekt an. Claude weiß dann pro Projekt, wie Texte klingen sollen, was schon bearbeitet wurde, und wo man zuletzt aufgehört hat.

Skills – der eigene Stil als Textdatei. Skills sind kurze Beschreibungen (Markdown-Dateien), die der KI erklären, wie sie arbeiten soll: Designrichtlinien, Tonalität, Do’s und Don’ts. Oliver zeigte, wie er Claude damit Präsentationen in seinem eigenen CI erstellen lässt – Farben, Icons, Struktur inklusive.

Konnektoren und Plugins. Canva, Figma, Google Drive – Claude Code lässt sich mit immer mehr Diensten verbinden. Oliver demonstrierte eine Canva-Integration, bei der Claude Vorlagen befüllt und LinkedIn-Karussells im passenden Format ausgibt.

Geplante Aufgaben. Claude kann Aufgaben zeitgesteuert ausführen: Quellen wöchentlich auswerten, Themenvorschläge für den nächsten Stammtisch vorbereiten, E-Mails scannen und zusammenfassen. Die KI arbeitet dabei im Hintergrund – man kommt zurück, wenn das Ergebnis wartet.

Das richtige Modell für die richtige Aufgabe

Ein praktischer Tipp, der in der Runde für Aha-Momente sorgte: Nicht jede Aufgabe braucht das leistungsstärkste Modell. Claude bietet verschiedene Stufen an – von Haiku (schnell, günstig, für einfache Anfragen) bis Opus (komplex, aber ressourcenintensiver). Wer das falsch einstellt, verbrennt schnell mehr Token-Budget als geplant. Ähnlich funktioniert es bei ChatGPT: Instant, Thinking, erweitertes Thinking – je nach Ziel das richtige Werkzeug wählen.

Human in the Loop bleibt entscheidend

Natürlich blieb auch die kritische Perspektive nicht aus. Datenschutz: Claude ist in den USA gehostet – DSGVO-Konformität ist nicht gegeben, der Einsatz muss je nach Use Case genau geprüft werden. Token-Limits: Wer intensiv arbeitet, kann schneller als erwartet an Grenzen stoßen – und muss ggf. nachkaufen. Und: Die Ergebnisse sind oft gut, aber selten auf Anhieb fertig. Der menschliche Feinschliff – die eigene Handschrift, das kritische Urteil – bleibt unverzichtbar.

Olivers Fazit, dem wir uns gern anschließen: KI ist im Moment eine Superkraft, die man sich aneignen muss – kein Autopilot, der einfach losläuft. Wer das versteht, kann heute schon mit einem kleinen Team Ergebnisse erzielen, für die man früher zehn Kolleg:innen gebraucht hätte.

Das nehmen wir mit

  • Claude Code ist mehr als ein Chat – Projekte, Ordnerstrukturen, Gedächtnis und geplante Aufgaben machen es zum persönlichen KI-Arbeitsumfeld.
  • Skills steuern den Stil – kurze Textdateien ersetzen das ständige Neu-Erklären von Tonalität und Design.
  • Modellwahl macht einen Unterschied – Haiku für einfache Tasks, Opus für komplexe Anforderungen; Faktor 3–5 im Ressourcenverbrauch.
  • Konnektoren erweitern die Möglichkeiten – Canva, Figma, Google Drive sind bereits integrierbar, weitere folgen schnell.
  • Datenschutz vorab klären – Claude ist US-gehostet; personenbezogene Daten gehören nicht ungeprüft hinein.
  • Human in the Loop bleibt Standard – KI liefert die Struktur, Menschen liefern das Urteil und die Handschrift.

Dank & Ausblick: Nächster Stammtisch am 27. April

Ein herzliches Dankeschön an Oliver Werner für seinen offenen, praxisnahen Einblick in seine tägliche KI-Arbeit – und dafür, dass er den Abend so lebendig und diskussionsfreudig gestaltet hat.

Beim nächsten KI-Stammtisch am 27. April 2026 erwartet uns ein Perspektivwechsel: Michaela Werner nimmt dann die Führungskräfte-Brille auf und zeigt, wie KI im Bereich Leadership und Personalführung eingesetzt werden kann – ein Thema, das viele von euch sicher direkt betrifft. Wir freuen uns auf Euch!