Mit einer ungewöhnlichen Frage eröffnete Ana Lorena Gomez den ersten Longevity-Stammtisch im Ankerplatz Springe: Wer von uns war heute schon vor 7 Uhr wach? An diesem Abend zeigte sich schnell, warum diese Frage kein Zufall war – kaum ein Thema betrifft uns alle so unmittelbar wie der Schlaf, und kaum eines wird so unterschätzt.
Mit dem Longevity-Stammtisch ist im Ankerplatz Springe ein neues Veranstaltungsformat gestartet, das sich rund um Gesundheit und ein langes, vitales Leben dreht. Initiiert hat es Ana Lorena Gomez, die bei Medicom tätig ist – dem Unternehmen, das seit über 30 Jahren eigene Nahrungsergänzungsmittel-Rezepturen entwickelt und jetzt seinen Sitz im Ankerplatz hat. Fünf große Themenpfeiler stehen im Zentrum des neuen Formats: Bewegung, Schlaf, Ernährung, Stressreduktion und soziale Verbundenheit. Den Auftakt machte am 1. Juni 2026 das – aus gutem Grund – erste Thema: der Schlaf. Die Teilnahme war kostenfrei und offen für alle Interessierten im Ankerplatz Springe.
Warum ausgerechnet der Schlaf im Fokus stand
Der amerikanische Schlafforscher Matthew Walker wurde einmal gefragt, wie wichtig Schlaf für den Menschen ist – seine Antwort: Nur Sauerstoff sei noch wichtiger. Nahrung oder Flüssigkeit kann der Körper eine Weile entbehren, doch schon eine einzige durchwachte Nacht ist nachweislich gesundheitsschädlich. Genau deshalb verdiene der Schlaf laut Ana Lorena Gomez mehr Aufmerksamkeit als Bewegung oder Ernährung.
Was im Körper passiert, während Du schläfst
Lange dachte man, im Schlaf passiere im Körper kaum etwas. Heute weiß man: Genau das Gegenteil ist der Fall. Im Hippocampus, dem Gedächtniszentrum des Gehirns, werden nachts die Eindrücke des Tages sortiert und in Kurz- oder Langzeitspeicher verschoben – ein Grund, warum guter Schlaf vor Prüfungen wichtiger ist als eine durchgelernte Nacht. Gleichzeitig wird das Immunsystem aktiv gestärkt, sodass jede Form von Schlafmangel einem direkten Angriff auf die eigene Abwehr gleichkommt. Auch der Stoffwechsel reagiert empfindlich: Bei chronischem Schlafmangel steigen die Hungerhormone, was sich vor allem als Heißhunger auf Süßes bemerkbar macht.
Im Tiefschlaf – idealerweise etwa eine bis eineinhalb Stunden pro Nacht, verteilt auf mehrere Schlafzyklen – werden zudem sämtliche Hormone reguliert. Besonders spannend ist das sogenannte glymphatische System: Im Schlaf zieht sich das Gehirn minimal zusammen und wird regelrecht durchgespült, wobei Eiweißablagerungen wie Beta-Amyloide und Tau-Proteine neutralisiert werden, die mit einem erhöhten Alzheimer-Risiko in Verbindung stehen. Und in der REM-Phase, in der wir am meisten träumen, verarbeitet das Gehirn Emotionen – fast wie in einer Therapiestunde. Das erklärt, warum man nach einer Nacht Schlaf manchmal buchstäblich mit einer Lösung aufwacht.
Die Folgen von zu wenig Schlaf
Die WHO stuft Schlafentzug bei Nachtarbeit inzwischen als potenziell krebserregend ein – Studien zeigen einen Zusammenhang mit Brust-, Prostata- und Darmkrebs. Auf DNA-Ebene verändern sich bei Schlafmangel rund 711 Gene, die unter anderem die Immunabwehr betreffen. Auch beim Abnehmen spielt Schlaf eine größere Rolle, als viele denken: Wer zu wenig schläft, entwickelt mehr Heißhunger und baut eher Muskelmasse als Fett ab. Wie stark selbst kleine Eingriffe wirken, zeigt die Zeitumstellung: Am Tag nach der Umstellung im Frühjahr, wenn uns eine Stunde Schlaf fehlt, steigt die Zahl der Herzinfarkte um 24 Prozent, ebenso Unfälle und Suizidraten – erfasst in einer Untersuchung mit 1,6 Milliarden Menschen in 70 Ländern.
Als Zielspanne gelten sieben bis neun Stunden Schlaf pro Nacht; dauerhaft weniger als sechs oder mehr als neun Stunden wirken sich beide negativ aus. Nur etwa 3 Prozent der Bevölkerung kommen genetisch bedingt mit weniger als sechs Stunden aus – für alle anderen drohen bei chronischem Schlafmangel gesundheitliche Folgen.
Fünf Hebel für besseren Schlaf
Der Vortrag machte deutlich: Für viele Stellschrauben braucht es kein Supplement, sondern schlicht Konsequenz. Ana Lorena Gomez nannte diese Hebel als besonders wirksam:
- Regelmäßigkeit – jeden Tag zur gleichen Zeit ins Bett gehen und aufstehen, auch am Wochenende, damit sich der Körper auf feste Schlaf- und Wachzeiten einstellen kann.
- Licht dimmen – etwa eine Stunde vor dem Schlafengehen helles Licht meiden und stattdessen auf gedimmtes, warmes oder rotes Licht setzen, damit die Melatoninproduktion in Gang kommt.
- Die 3-2-1-Regel – drei Stunden vorm Schlafen nichts Schweres mehr essen, zwei Stunden vorher nichts mehr trinken, eine Stunde vorher Handy und Bildschirme aus.
- Kühle und Dunkelheit – das Schlafzimmer auf etwa 18 bis 18,5 Grad kühlen, komplett abdunkeln und möglichst aufgeräumt halten, ganz ohne Ablenkung wie Uhr, Fernseher oder herumliegende Arbeit.
- Bei nächtlichem Grübeln aufstehen – statt sich im Bett wachzuliegen, lieber kurz aufstehen, einen Tee trinken oder eine Atemübung machen und erst wieder hinlegen, wenn die Müdigkeit zurückkommt. So verknüpft der Körper das Bett nicht mit Stress und Wachliegen.
Auch Koffein und Alkohol kamen zur Sprache: Kaffee bleibt deutlich länger im Körper aktiv, als die meisten annehmen – ein Espresso am Abend kann den Tiefschlaf um bis zu 30 Prozent reduzieren, weshalb Ana Lorena Gomez empfiehlt, ab 14 Uhr nur noch entkoffeinierten Kaffee zu trinken. Alkohol wiederum gilt zwar als beliebtes „Schlafmittel“, ist aber tatsächlich nur ein Sedierer: Er zerstört die Schlafarchitektur, verkürzt Tiefschlaf- und REM-Phasen und sorgt für häufigeres nächtliches Aufwachen. Und auch der eigene Chronotyp spielt eine Rolle – etwa ein Drittel der Menschen ist genetisch eher der frühe, ein Drittel eher der späte Typ, der Rest liegt dazwischen.
Supplements: Was wirklich unterstützen kann
Ein zentraler Satz des Abends:
„Es gibt keine Abkürzung für einen guten Schlaf.“
Erst wenn Schlafhygiene, Bewegung und Ernährung stimmen, machen Supplements überhaupt Sinn – als Unterstützung, nicht als Ersatz. Konkret nannte Ana Lorena Gomez Magnesium in Form von Glycinat, Bisglycinat oder L-Threonat, das die Einschlafzeit verkürzen kann, weil es das Nervensystem beruhigt; Krillöl, dessen Omega-3-Phospholipide die Blut-Hirn-Schranke leichter passieren als klassisches Fischöl und so die nächtliche „Reinigung“ des Gehirns unterstützen können; sowie Ubiquinol, die aktive Form von Coenzym Q10, das bei anhaltender Tagesmüdigkeit die Zellenergie wieder auftanken kann.
Besonders wichtig war Ana Lorena Gomez die Aufklärung rund um Melatonin: Es ist ein Signalhormon, kein Schlafmittel, und verkürzt die Einschlafzeit im Schnitt lediglich um rund vier Minuten. In Deutschland liegt die erlaubte Höchstmenge bei 1 Milligramm, viele frei erhältliche Produkte aus dem Ausland sind deutlich höher dosiert. Am sinnvollsten ist Melatonin bei Jetlag, über mehrere Tage passend zur gewünschten neuen Schlafzeit eingenommen. Bei hormonell bedingten Schlafproblemen, etwa durch Wechseljahre, hilft es dagegen kaum – hier lohnt sich eher der Blick auf Bewegung, Ernährung und Schlafhygiene insgesamt.
Das nehmen wir vom ersten Longevity-Stammtisch mit:
- Schlaf ist neben Sauerstoff das Wichtigste, was unser Körper braucht – wichtiger, als viele denken.
- Sieben bis neun Stunden sind die Zielspanne; dauerhaft deutlich weniger oder mehr schadet der Gesundheit.
- Regelmäßigkeit, Dunkelheit und ein kühles Schlafzimmer wirken oft stärker als jedes Supplement.
- Kaffee nach 14 Uhr und Alkohol am Abend stören den Tiefschlaf deutlich mehr, als man merkt.
- Melatonin ist kein Wundermittel, sondern unterstützt vor allem beim Einschlafzeitpunkt, etwa bei Jetlag.
- Verlorenen Schlaf kann man nicht nachholen – nur ein Stück vorausschlafen.
Ein herzliches Dankeschön an Ana Lorena Gomez für den inspirierenden und kurzweiligen Vortrag – und an alle, die mitdiskutiert und ihre eigenen Erfahrungen geteilt haben.
Häufige Fragen
Was ist der Longevity-Stammtisch im Ankerplatz Springe?
Ein neues, kostenfreies Veranstaltungsformat im Ankerplatz Springe rund um die fünf Themenpfeiler Bewegung, Schlaf, Ernährung, Stressreduktion und soziale Verbundenheit.
Wie viele Stunden sollte ich pro Nacht schlafen?
Die aktuelle Studienlage empfiehlt sieben bis neun Stunden – dauerhaft weniger als sechs oder mehr als neun Stunden wirkt sich negativ auf die Gesundheit aus.
Hilft Melatonin beim Durchschlafen?
Nein. Melatonin ist ein Signalhormon und verkürzt lediglich die Einschlafzeit um wenige Minuten – am sinnvollsten ist es bei Jetlag.
Welche Tipps verbessern den Schlaf sofort?
Regelmäßige Schlafzeiten, eine Stunde vorher das Licht dimmen, ein kühles und dunkles Schlafzimmer sowie ab 14 Uhr auf Koffein verzichten.
Wann findet der nächste Longevity-Stammtisch statt?
Die weiteren Themenpfeiler Bewegung, Ernährung, Stress und Gemeinschaft sind bereits angedacht. Den genauen Termin findest Du auf unserer Veranstaltungsseite.
Viele Grüße,
Eure Meike
Unser nächster Longevity-Stammtisch:
Wird in Kürze bekanntgegeben
Weiter geht es mit den übrigen vier Themenpfeilern Bewegung, Ernährung, Stress und Gemeinschaft.
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