Manchmal genügt ein offenes Gespräch, damit der eine bekommt, was er braucht, und der andere nicht wegwirft, was noch zu gebrauchen wäre. Mit dieser kleinen Geschichte aus dem Völkser Repair-Café eröffnete Petra Keck den Abend – und traf damit genau den Kern dessen, worum es an diesem Abend im Ankerplatz gehen sollte.

Am 10. Juni 2026 kamen von 18 bis 21 Uhr Unternehmer:innen, Selbstständige, Handwerk, Handel und Interessierte aus Springe und den Ortsteilen im Ankerplatz Springe zusammen – eingeladen von Petra Keck, parteiunabhängige Bürgermeisterkandidatin für Springe, gemeinsam mit dem Ankerplatz. Unter dem Titel „Innovation in Springe – gemeinsam geht mehr“ ging es um Impulse, offenen Austausch und die Frage, wie sich der Standort Springe gemeinsam stärken lässt – bewusst kein Vortragsabend, sondern das erste Mal in dem neuen Format „Kurs Zukunft“: kurze Impulse, ein moderiertes Gespräch und anschließend vertiefende Vernetzung an offenen Themeninseln. Die Teilnahme war kostenfrei.

Impuls I: Marc Junker – Wie Innovation entsteht

Marc Junker, seit Jahrzehnten Gründer, Vorstand und Investor und heute als Business Angel und Aufsichtsrat aktiv, nahm die Runde mit in eine existenzbedrohende Krise aus seiner eigenen Praxis: ein Start-up im mobilen Werbemarkt, das gegen zwei übermächtige Wettbewerber – Google und Apple – kurz vor der Insolvenz stand. Der Ausweg war einfach gedacht und radikal umgesetzt: Statt Werbepreise intransparent vorzugeben, wurden Werbeplätze in Echtzeit versteigert – in 23 Millisekunden, mit offengelegten Algorithmen. Aus der Krise heraus wurde das Unternehmen zum weltweiten Marktführer, dessen Technik heute in den meisten mobilen Werbeanzeigen steckt, ohne dass jemand den Namen dahinter kennt.

Die wissenschaftliche Einordnung lieferte er gleich mit: Nach dem Wachstumsmodell des Organisationsforschers Larry Greiner (1972) sind Krisen kein Betriebsunfall, sondern notwendiger Übergang zwischen Entwicklungsphasen eines Unternehmens – und oft überhaupt erst die Voraussetzung für echte Innovation.

„Man sollte eine ernste Krise nie ungenutzt lassen“ – sinngemäß nach Winston Churchill, wie Marc Junker es formulierte.

Innovation ist laut ISO-Norm 56000, so Marc Junker, nichts anderes als „Ideen und Erkenntnisse, die durch Umsetzung Wertschöpfung erzeugen“ – meist nicht durch neue Technik, sondern durch neu gedachte, bestehende Geschäftsmodelle. Wie eng Struktur und Kreativität zusammengehören, zeigte er am Beispiel der Notenschrift: Erst die Beschränkung auf ein gemeinsames System machte Beethovens „Ode an die Freude“ für jeden spielbar – und ebnete den Weg zu großer künstlerischer Freiheit.

Impuls II: Roger Cericius – Kooperation als Innovationstreiber

Roger Cericius, Geschäftsführer eines Innovationslabors bei einem großen Versicherer, brachte die kommunale Perspektive ein. Sein Ausgangspunkt: Verwaltungen wissen oft sehr genau, was zu tun wäre – scheitern aber an der Umsetzung, weil ihnen die Strukturen für Zusammenarbeit über Zuständigkeitsgrenzen hinweg fehlen. Anhand eines Reallabors im Landkreis Nienburg zeigte er, wie kleine Kommunen neun unterschiedliche Prozesse für die standesamtliche Trauung zu einem gemeinsamen Standard zusammenführten – mit dem Ergebnis, dass plötzlich wieder ausreichend Standesbeamtinnen und Standesbeamte verfügbar waren. Aus dem lokalen Experiment wurde inzwischen eine landesweite Taskforce zur Digitalisierung kommunaler Strukturen, unterstützt vom niedersächsischen Innenministerium.

Seine Kernbotschaft: Komplexität lässt sich heute selten allein bewältigen, gefragt sind interne wie externe Kollaboration und die Bereitschaft, explorativ zu denken statt auf die perfekte Lösung zu warten – illustriert mit dem Bild vom Lkw, dem an einer zu niedrigen Brücke einfach die Luft aus den Reifen gelassen wird, statt lange auf eine Ausschreibung zu warten. Mit Blick auf Springe verwies er auf die kommende digitale Identität (eID-Wallet), die in den nächsten Jahren viele Behördengänge – Ummeldung, Elterngeld, Personalausweis – deutlich vereinfachen wird.

Im Gespräch: Was Springe wirklich bewegt

Im Anschluss an die Impulse ging es im Plenum und an drei offenen Themeninseln sehr konkret zur Sache. Die Bahnschranke an der Jägerallee sorgte für angeregte Diskussion – als Sinnbild für ein größeres Muster: Regeln, die im Alltag nicht mehr zur Situation passen, aber niemand fühlt sich zuständig, sie zu hinterfragen. Ähnlich frustrierend erlebten mehrere Teilnehmende die Bürokratie bei eigentlich kleinen Vorhaben, von europaweiten Ausschreibungspflichten bis zu gestaffelten Förderanträgen. Daraus entstand die Idee eines „Springe first“-Ansatzes: regionale Anbieter bei kleineren Vergaben aktiv bevorzugen, statt reflexhaft auszuschreiben.

Viel Raum nahm auch die Sichtbarkeit der Springer Wirtschaft ein: Mehrere Unternehmer:innen berichteten, dass bestehende Unternehmensverzeichnisse veraltet oder kostenpflichtig ohne echten Mehrwert sind – und dass die Stadt kaum aktiv auf ansässige Unternehmen zugeht. Ein weiteres Thema war die Nachfolgeregelung im Handwerk: Wenn Inhaberinnen und Inhaber aufhören, ohne ihr Wissen zu dokumentieren, geht mit ihnen oft ein ganzer Betrieb verloren – eine Innovationsaufgabe, die die Runde als ebenso wichtig einstufte wie die großen Digitalisierungsthemen.

Daneben kamen auch die kleinen Dinge zur Sprache, die den Alltag prägen: ein seit Jahren defekter Brunnen, fehlende Bänke, ein Bushaltestellenschild für eine Linie, die es längst nicht mehr gibt. Der gemeinsame Nenner vieler Beiträge: Es braucht in der Verwaltung einen Kulturwandel – weg vom reinen Verwalten, hin zu einer Haltung, bei der sich Zuständige das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger aktiv verdienen und auch mal etwas ausprobieren dürfen, ohne dass gleich alles perfekt gelingen muss.

Das nehmen wir vom Abend mit:

  • Krisen sind selten nur Bedrohung – sie sind häufig die eigentliche Voraussetzung für Innovation.
  • Innovation entsteht meist nicht durch neue Technik, sondern durch neu gedachte, bestehende Modelle.
  • Kommunale und wirtschaftliche Herausforderungen lassen sich selten allein lösen – Kollaboration über Zuständigkeitsgrenzen hinweg ist der Hebel.
  • Kleine, konkrete Schritte (ein Reallabor, eine Ampel, ein Brunnen) bewegen oft mehr als der Ruf nach der großen Lösung.
  • Sichtbarkeit der lokalen Wirtschaft und Nachfolgeregelung im Handwerk sind für Springe mindestens so dringend wie Digitalisierung.

Für genau solche Impulsabende mit Diskussionsbedarf und Technik bieten sich unsere Besprechungsräume an – ruhig, gut ausgestattet und mit Platz für Gruppen, die wie an diesem Abend in kleinen Runden weiterdenken wollen.

Ein herzliches Dankeschön an Marc Junker und Roger Cericius für ihre Impulse, an Petra Keck für die Initiative – und an alle, die mitdiskutiert und ihre eigenen Erfahrungen aus Springe geteilt haben.

Weitere Termine der Reihe „Kurs Zukunft“ sind bereits im Gespräch, ein genaues Datum steht aber noch nicht fest. Den Überblick behältst Du auf unserer Veranstaltungsseite. Lust, unsere Besprechungsräume für die nächste Team-Session oder das nächste Kundenmeeting kennenzulernen? Vereinbare eine Besichtigung.

Häufige Fragen

Was war „Innovation in Springe – gemeinsam geht mehr“?
Ein offener Innovations- und Austauschabend im Ankerplatz Springe für Unternehmen, Selbstständige und Interessierte aus Springe und den Ortsteilen, initiiert von Petra Keck und dem Ankerplatz.

Wann und wo fand der Abend statt?
Am 10. Juni 2026 von 18 bis 21 Uhr im Ankerplatz Springe, Industriestraße 17 H.

Wer hat die Impulse gehalten?
Marc Junker (Entrepreneur, Business Angel, Board Member) und Roger Cericius (Geschäftsführer eines Innovationslabors).

War die Teilnahme kostenlos?
Ja, die Teilnahme war kostenfrei, inklusive Getränken und Snacks.

Gibt es eine Fortsetzung?
Ja, das Format „Kurs Zukunft“ soll fortgesetzt werden. Den nächsten Termin findest Du auf unserer Veranstaltungsseite.

Viele Grüße,
Eure Meike

Unser nächster „Kurs Zukunft“-Termin:

Wird in Kürze bekanntgegeben

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