Ein Montagabend im Ankerplatz – und mittendrin Lukasz Urban, der gerade live vorführt, wie aus einem simplen Chatfenster ein ganzes digitales Team werden kann. Am 29. Juni ging der KI-Stammtisch „Meer Business mit KI“ in die nächste Runde – und wieder war Oliver Werner als Referent dabei. Diesmal hatte mit Verstärkung: Gastreferent Lukasz Urban, der den Abend mit einem waschechten Praxis-Deep-Dive bereicherte.
Seit Herbst 2025 trifft sich die Runde jeden letzten Montag im Monat von 18 bis 20 Uhr im Ankerplatz Springe, offen für alle, die sich für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Berufsalltag interessieren. Wie immer startete der Abend mit einer bunt gemischten Vorstellungsrunde quer durch die Branchen: von einer frisch selbstständigen Schnittmuster-Designerin über einen Uhrenliebhaber, der sich mit ChatGPT Expertisen für Sammlerstücke schreiben lässt, bis zu einem Netzwerk-Koordinator, der Berufsschulen an Themen wie Augmented Reality heranführt. Genau diese Mischung ist es, die den Stammtisch ausmacht.
Lukasz Urban selbst brachte eine besondere Geschichte mit: Nach rund 20 Jahren bei Volkswagen hat er sich vor Kurzem freiwillig verabschiedet und sich hauptberuflich mit „AI in Finance“ selbstständig gemacht – er verbindet sein Finance-Wissen aus dem Konzern mit dem, was er sich in den letzten Jahren rund um KI-Agenten selbst beigebracht hat.
Vom Chat zum digitalen Mitarbeiter – die Stufen der KI-Nutzung
Lukasz Urban hatte drei einleitende Folien mitgebracht, die zeigen, wie unterschiedlich tief man mit Künstlicher Intelligenz arbeiten kann. Ganz unten steht der einfache Chat: eine Frage in ChatGPT, Claude oder Gemini, eine überzeugend klingende Antwort, aber ohne Bezug zur eigenen Situation. Schon die nächste Stufe verändert einiges: Wer der KI Kontext mitgibt, etwa Lebenslauf, Angebot oder ein konkretes Dokument, bekommt spürbar bessere Antworten.
Darauf folgen feste Assistenten wie CustomGPT mit klarer Rolle und festem Ton, aber eben nur einer Rolle. Erst mit Projekten oder Räumen, wie sie ChatGPT und Gemini inzwischen anbieten, lassen sich mehrere Rollen und dauerhafter Kontext gleichzeitig verwalten. Die spannendste Schwelle: Sobald ein Tool wie Cowork selbstständig Dateien bearbeitet und sich Dinge merkt, beginnt die eigentliche „agentische“ Arbeit – mit Claude Code oder Codex im Terminal entstehen sogar kleine, eigene Anwendungen, ganz ohne klassische Programmierkenntnisse.
Ein ganzes Team aus KI-Agenten
Wie weit sich das treiben lässt, zeigte Lukasz Urban an seinem eigenen Beispiel: Für seine Selbstständigkeit hat er sich über Monate ein komplettes Team aus spezialisierten KI-Agenten aufgebaut, jeder mit eigener Rolle und eigener Textdatei als „Gedächtnis“. Ein CEO-Agent gibt die grobe Richtung vor und delegiert an CFO, CTO und Marketing. Ein Vertriebs-Agent durchsucht LinkedIn-Profile potenzieller Kund:innen nach Kaufsignalen und legt daraus automatisch eine „Deal-Karte“ mit passender Gesprächsstrategie an. Sein „Ghost“-Agent wiederum ist auf den eigenen Schreibstil trainiert und verfasst LinkedIn-Beiträge, die tatsächlich nach ihm klingen. Und ein Operations-Agent plant seine Woche, fragt nach dem Stand der Dinge und kann, wie er lachend zugab, auch mal unbequem werden, wenn zu viel Zeit mit Nebensächlichkeiten verplempert wird.
„Autonomie ist gut, aber Kontrolle ist besser.“
Das Bemerkenswerte daran: Nichts davon braucht Programmierkenntnisse. Jeder Agent ist im Kern nur eine gut strukturierte Textdatei mit einer klaren Instruktion, wie er arbeiten soll.
Kontext ist alles – und Echtheit zählt
Ein Thema, das sich durch den ganzen Abend zog: Guter Kontext entscheidet über die Qualität der Antwort, aber mehr ist nicht automatisch besser. Zu volle Kontextdateien machen die Ergebnisse eher ungenauer, weshalb Lukasz Urban rät, sie regelmäßig zu „entrümpeln“ und auf das Wesentliche zu kürzen.
Lebhaft diskutiert wurde auch das Thema Authentizität. Eine Person aus der Runde berichtete, dass ihre komplett KI-geschriebenen LinkedIn-Beiträge irgendwann auffielen, weil jeder Text dieselbe perfekte Struktur hatte.
„Das ist Social Media, nicht KI-Media – da muss der menschliche Teil drinbleiben.“
Die Lösung der Runde: KI-Entwürfe immer selbst nacharbeiten, bewusst nicht jede Formulierung glattziehen und kleine Ecken und Kanten stehen lassen. Gegen Fehler und Halluzinationen empfahl Lukasz Urban einen einfachen Kniff, der bei jedem Modell funktioniert: am Ende schlicht fragen, an welcher Stelle sich die KI selbst am unsichersten ist.
Und was passiert eigentlich mit den eigenen Daten?
Gerade bei Gesundheits- oder Finanzdaten wurde es ernst: Wer Kund:innen- oder Patientendaten in eine KI eingibt, sollte wissen, wo sie landen. Als Alternativen zu den großen US-Anbietern nannte die Runde europäisch gehostete Dienste, eigene oder gemietete Server sowie API-Zugänge mit wählbarem Rechenzentrumsstandort. Ein praktischer Tipp: PDFs vor der Analyse in Markdown umwandeln – das spart nach Erfahrung aus der Runde einen Großteil der benötigten Tokens, bei gleichbleibender Antwortqualität.
Das nehmen wir vom KI-Stammtisch im Juni mit:
- KI-Nutzung ist ein Stufenmodell – vom einfachen Chat über feste Assistenten bis zum selbstständig arbeitenden Agenten.
- Ein ganzes Team aus spezialisierten KI-Agenten lässt sich mit einfachen Textdateien aufbauen, auch ohne Programmierkenntnisse.
- Guter Kontext schlägt viel Kontext – regelmäßiges Aufräumen der eigenen Kontextdateien lohnt sich.
- Komplett von der KI geschriebene Texte fallen irgendwann auf – der eigene Stil und ein bisschen Unperfektheit gehören dazu.
- Ein einfacher Reflexions-Trick hilft gegen Fehler: die KI fragen, wo sie sich selbst am unsichersten ist.
- Bei sensiblen Daten führt kaum ein Weg an europäisch gehosteten oder lokalen Lösungen vorbei.
- Der größte Gewinn bleibt der offene Austausch: voneinander zu hören, welche Tools im Alltag wirklich funktionieren.
Ein herzliches Dankeschön an Lukasz Urban für den inspirierenden Einblick in sein persönliches KI-Agenten-Team, an Oliver Werner fürs gewohnt sichere Moderieren durch den Abend – und an alle, die mit eigenen Erfahrungen, Fragen und Tipps zu diesem lebendigen Abend beigetragen haben.
Genau für den Austausch in kleiner, konzentrierter Runde wie an diesem Abend nutzen viele unserer Nutzer:innen auch unter der Woche die Projektbüros im Ankerplatz – mit Ruhe und Privatsphäre, wann immer sie sie brauchen. Und wer selbst einmal einen Workshop oder eine Kundenrunde zum Thema KI ausrichten möchte, findet in unseren Besprechungsräumen den passenden Rahmen.
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Der nächste KI-Stammtisch findet am 28. September statt – im Juli und August pausiert die Runde. Alle Termine und die Anmeldung findest Du wie immer unter Veranstaltungen.
Viele Grüße,
Eure Meike
Unser nächster Termin:
KI-Stammtisch „Meer Business mit KI“ am 28.09., 18–20 Uhr
Wieder mit Impulsen und offenem Austausch rund um den Einsatz von KI im (Berufs-)Alltag – moderiert von Oliver Werner.
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