Am Montag, 28. September 2026, hat der KI-Stammtisch „Meer Business mit KI“ im Ankerplatz Springe gezeigt, wie sich mit Claude eigene Anwendungen entwickeln lassen – auch ohne Programmierkenntnisse. Auf dem Bildschirm lief ein Mini-CRM, das Oliver Werner am Freitag zuvor in rund drei Stunden als Prototyp gebaut hatte. Er tippte die Webseite eines Unternehmens ein, die App übernahm Firma und Kontakt, und Claude schrieb im Hintergrund ein Firmenbriefing mit Vision und Produkten. Wie so etwas in einem sauberen Prozess entsteht, war das Kernthema des Abends.
KI-Stammtisch in Springe: Erst der Sommer, dann der Praxisteil
Der KI-Stammtisch „Meer Business mit KI“ findet jeden letzten Montag im Monat von 18 bis 20 Uhr im Ankerplatz Springe (Industriestraße 17 H) statt. Die Teilnahme ist kostenfrei. Initiiert und moderiert wird er von Oliver Werner (ki-canvas.de), der hauptberuflich ein Entwicklungsteam bei der Deutschen Messe AG leitet.
In der Runde saßen ganz unterschiedliche Perspektiven. Eine Lektorin erzählte, dass KI in ihrer Branche ein großes Thema ist – bei Übersetzungen ebenso wie bei der Frage, ob eine KI in einem Manuskript den roten Faden findet. Sie selbst nutzt sie bisher vor allem zum Brainstorming.
Zum Einstieg ließ Oliver den KI-Sommer Revue passieren: Alle großen Anbieter haben neue, deutlich leistungsfähigere Modelle veröffentlicht, und die Preise sinken teilweise – „besser“ heißt nicht mehr automatisch „teurer“. Über sogenannte MCP-Konnektoren lassen sich Claude und ChatGPT zudem immer besser mit anderen Systemen verbinden. Und ein neuer Modelltyp, der keine Texte, sondern Wahrscheinlichkeiten und Ja/Nein-Antworten liefert, soll nach Olivers Angaben rund 400-mal günstiger sein – etwa, um Support-Anfragen vorzusortieren.
Vibe-Coding mit Claude: In acht Phasen zur eigenen App
Ein Kernthema des Abends: Vibe-Coding – Software im Gespräch mit einer KI entstehen zu lassen. Olivers erste Versuche waren lehrreich. Seine To-do-App entstand zunächst per Drauflos-Chatten und wurde schnell chaotisch. Als er sie mit seiner Frau teilen wollte, brauchte es plötzlich einen Multi-User-Zugriff und damit einen kompletten Umbau. Dazu kam ein zweites Problem: Die KI trifft viele Entscheidungen, die man gar nicht sieht – etwa keinen Schutz gegen gleichzeitiges Speichern und kein Backup-Konzept.
Seine Antwort ist ein Vibe-Coding-Architekt: ein selbst entwickelter Claude-Skill, der durch acht Phasen führt, Fragen stellt, statt selbst zu entscheiden, und jeden Schritt protokolliert:
- Projektsteckbrief – die Idee in eigenen Worten
- Anforderungen – als klare Sätze formuliert
- Use Cases – die einzelnen Anwendungsfälle
- Fachkonzept – das Ganze zusammengeführt
- Technikkonzept – etwa: Hosting im Internet oder lokal, Handy oder Rechner
- Bauvorbereitung – die Umsetzung in Schritte zerlegt
- Umsetzung – die eigentliche Programmierung
- Abnahme und Test – begleitend geprüft und protokolliert
Man muss dafür keine Programmiersprache können: Oliver spricht ganz normal mit Claude und nimmt die Rolle der Fachabteilung ein. Ein Teilnehmer aus der Industrie erinnerte sich, dass Fachkonzepte dieser Art früher Monate und ganze Teams gebunden haben.
Vier Rollen statt ein Chat: Architekt, Bauagenten, Prüfer und Tester
Das Prinzip erinnert an ein echtes IT-Projekt. Oliver ist der Product Owner und verantwortlich für Anforderungen und Abnahme. Der Architekt entspricht der IT-Abteilung, die Bauagenten programmieren, ein unabhängiger Prüfer kontrolliert die Konzepte und ein eigener Tester die Umsetzung. „Am Ende ist alles KI“, räumte Oliver ein – aber weil nicht der Architekt sich selbst testet, würden tatsächlich Fehler gefunden.
Die Bilanz seines Mini-CRM: 17 Umsetzungsschritte, eine Korrekturrunde und 229 automatisierte Tests, alle grün. Von Hand musste er nur dreimal eingreifen. Trotzdem stellte er klar: Es ist kein „Prompt eingeben, Kaffee trinken, fertig“. Claude stellt viele Fragen, man muss lesen und bestätigen – und für den Live-Betrieb wären noch ein paar Stunden nötig.
Mini-CRM und WordPress: Standardsoftware nutzen, Individuelles bauen
Im Mini-CRM durchlaufen Interessenten die Stufen von Lead über Prospect und Opportunity bis Offer und Contract. Die Recherche zu einer Firma übernimmt Claude, das ohnehin recherchieren und zusammenfassen kann – die App verwaltet nur Verkaufschancen und Status. Olivers Leitlinie: möglichst viel Standardsoftware nutzen und nur das bauen, was wirklich individuell ist.
Nach demselben Muster pflegt er auch WordPress-Seiten: Über einen Konnektor legt Claude Seiten und Beiträge direkt an, Kunden ändern ihre Texte später in einfachen Feldern. Den Zugriff schaltet Oliver nur bei Bedarf ein und nutzt für Beiträge einen eigenen Redakteur-Zugang mit begrenzten Rechten.
Kosten, Datenschutz und Grenzen der KI
Die Frage nach den Kosten ließ Oliver nicht offen: Für seine Bauagenten, die parallel arbeiten, nutzt er aktuell ein 90-Euro-Abo. Für kleinere Projekte reicht ein Abo für 15 bis 20 Euro, dann sind die Limits allerdings schneller erreicht. Sparen lässt sich mit schlanken Markdown-Dateien statt PDFs. Und für die reine Programmierarbeit braucht es kein Top-Modell – nur für die Konzeptphase lohnt sich das stärkste.
Auch der Datenschutz kam zur Sprache. Der Prototyp läuft bislang nur lokal; die To-do-App liegt verschlüsselt auf einer eigenen Subdomain mit Benutzerverwaltung, Backups macht Oliver bewusst von Hand. Aus der Runde kam der Hinweis, genau zu wissen, was man in geteilte Accounts hochlädt. Auf die Frage nach europäischen Alternativen fiel der Name Mistral, außerdem lassen sich große Modelle für Unternehmen inzwischen in Europa betreiben.
Bleiben die Grenzen: KI-Ergebnisse wirken oft ähnlich – gerade bei Kreativem fehlt das Gespür für „jetzt muss etwas anderes passieren“. Routinetätigkeiten dagegen lassen sich zunehmend auslagern, und das wirft Fragen auf. Ein Teilnehmer fasste den Abend so zusammen:
„Jedes Mal, wenn ich beim KI-Stammtisch war, komme ich mit neuen Ideen und Überlegungen wieder raus. Ich finde das echt ein tolles Format – auch wenn es ein paar erschreckende Elemente hat, wenn man überlegt, wohin die Reise gehen könnte.“
Das nehmen wir vom Abend mit:
- Vibe-Coding funktioniert – aber mit Struktur: Steckbrief, Anforderungen und Tests statt Drauflos-Prompten.
- Die KI trifft viele unsichtbare Entscheidungen. Ein guter Prozess zwingt sie, Fragen zu stellen.
- Ein unabhängiger Prüfer- und Tester-Agent findet Fehler, die ein Selbsttest übersieht.
- Standardsoftware nutzen, nur das Individuelle selbst bauen.
- Die Kosten hängen vom Vorgehen ab: Mehrere Agenten gleichzeitig brauchen ein größeres Abo.
- Für Kreativität bleibt der Mensch gefragt, Routine wird zunehmend automatisiert.
Genau für solche Hands-on-Abende und Workshops nutzen unsere Nutzer:innen die Besprechungsräume Leuchtturm und Wilhelmstein – mit Technik, Ruhe und genug Platz zum gemeinsamen Arbeiten.
Ausblick: Der nächste KI-Stammtisch am 26. Oktober 2026 wird zum Hands-on-Abend. Wir starten bereits um 17:00 Uhr. Bring Deinen Laptop mit, idealerweise mit installierter Claude-Desktop-App – die richten wir gemeinsam ein. Oliver bereitet einen Projektsteckbrief vor: Rezepte aus verschiedenen Quellen sollen per URL in ein einheitliches, eigenes Rezeptbuch übernommen werden. Weil der Platz begrenzt ist, ist die Anmeldung verbindlich. Hier geht es zu den Veranstaltungen.
Lust, unsere Besprechungsräume für Dein eigenes Projekt oder Team-Meeting kennenzulernen? Vereinbare eine Besichtigung.
Ein herzliches Dankeschön an Oliver Werner für den offenen Einblick in seine Werkstatt – und an alle, die mit Fragen, Erfahrungen und Neugier den Abend mitgestaltet haben.
Häufige Fragen
Wann findet der KI-Stammtisch in Springe statt?
Jeden letzten Montag im Monat von 18 bis 20 Uhr. Der Hands-on-Abend am 26. Oktober 2026 startet bereits um 17:00 Uhr.
Wo findet der KI-Stammtisch statt?
Im Ankerplatz Springe, Industriestraße 17 H, 2. OG, direkt am Bahnhof Springe.
Ist die Teilnahme kostenlos?
Ja, der KI-Stammtisch ist kostenfrei. Getränke und Snacks sind inklusive.
Brauche ich Programmierkenntnisse für Vibe-Coding?
Nein. Du beschreibst Deine Idee in normaler Sprache, Claude stellt die Rückfragen und übernimmt die Programmierung.
Wie melde ich mich an?
Über den Veranstaltungskalender unter ankerplatz-springe.de/veranstaltungen. Für den Hands-on-Abend ist die Anmeldung verbindlich.
Viele Grüße,
Eure Meike
Unser nächster Termin:
KI-Stammtisch „Meer Business mit KI“ – Hands-on-Abend am 26. Oktober 2026, ab 17:00 Uhr
Gemeinsam mit Oliver Werner bauen wir live eine eigene App mit Claude – bring Deinen Laptop mit.
Melde Dich gerne auf unserer Startseite unter Veranstaltungen an – auch, wenn Du noch kein Nutzer bist. Die Anmeldung ist verbindlich, die Plätze sind begrenzt.
