Beim KI-Stammtisch im Ankerplatz Springe lief am Montagabend auf allen Laptops derselbe Auftrag – und dann hieß es: warten. Bei dem einen fünf Minuten, bei der anderen sieben. Danach öffnete sich im Browser die erste selbst gebaute App. So begann der 26. Oktober 2026, an dem wir gemeinsam mit Oliver Werner nicht über KI gesprochen, sondern mit ihr gearbeitet haben.

Der KI-Stammtisch „Meer Business mit KI“ findet jeden letzten Montag im Monat im Ankerplatz Springe (Industriestraße 17 H) statt, üblicherweise von 18 bis 20 Uhr, und ist kostenfrei. Oliver Werner, Digitalisierungsexperte und KI-Enthusiast, moderiert ihn seit Oktober 2025. Diesmal starteten wir eine Stunde früher im Besprechungsraum Wilhelmstein, denn es war ein Mitmach-Abend: Jede und jeder sollte vor dem Heimgehen eine eigene kleine App gebaut haben.

Das Ziel: Die App „Fundus“ in vier Schritten

Gebaut wurde „Fundus“: Links und kopierte Texte hineinwerfen und auf Claude vertrauen – er/sie/es vergibt im Hintergrund Kategorien und eine Kurzbeschreibung, später findet man alles wieder. Eine Rezept-App, an die wir gemeinsam zuerst gedacht hatten, gibt es längst. Nach Olivers Check mit seinem selbst entwickelten Skill „Ideenschärfer“ fiel die Wahl auf Fundus – als Grundstock, aus dem jede und jeder später bauen kann, was er braucht – und weil die direkte Verzahnung mit Claude so nirgends zu finden war. Olivers Motivation:

„Ich habe unheimlich viele Chatfenster und finde die Sachen irgendwie nicht wieder. Deshalb ist es manchmal hilfreich, sich etwas Eigenes zu bauen, um die Dinge besser zu strukturieren.“

Der Bau lief in vier Abschnitten, dazwischen blieb Zeit zum Austauschen:

  1. Erfassen und Liste – Text oder Link eingeben, speichern, in der Liste sehen.
  2. Anbindung an Claude – Befehle, mit denen Claude die Fundstücke verarbeiten kann.
  3. Aufbereiten – Claude ordnet jedem Fundstück eine Kategorie zu und fasst es kurz zusammen.
  4. Wiederfinden – Filtern nach Kategorien, Sortieren nach neuesten oder ältesten Einträgen.

Wir als Fachabteilung, Claude als Bauteam

Oliver hatte den Abend so vorbereitet, dass kaum Technik im Weg stand: ein Kontextpaket mit Arbeitsanweisung, vier vorbereitete Aufträge, ein Ordner für die Dokumentation. Diesen Ordner öffneten alle in Claude Code, dem Programmierbereich der Claude-Desktop-App. Die Rollen waren klar verteilt: Wir sind die Fachabteilung und sagen, was wir haben wollen. Auf der anderen Seite arbeitet ein kleines Team aus „Architekt“, Bauteam, Prüfer und Tester.

Vor dem Bauen klärte Claude mit uns „Prüfsätze“, also Abnahmekriterien in Alltagssprache, etwa: „Ich schließe den Browser, öffne die Seite neu und meine Fundstücke sind noch alle da.“ Wo der Auftrag Lücken ließ, machte Claude Vorschläge, die die Runde annehmen oder ändern konnte. Auch die Kategorien legte jede und jeder selbst fest. Olivers Sicherheitstipps: Freigaben am Anfang einzeln erteilen, Claude nur einen abgegrenzten Ordner geben und nur harmlose Testdaten verwenden.

Gleicher Auftrag, unterschiedliche Apps

Obwohl alle denselben Auftrag hatten, sah jede App anders aus. „Das ist halt KI, eine Interpretation“, erklärte Oliver. Einer ersetzte auf Wunsch ein Dropdown-Menü durch Buttons, ein anderer ließ sich drei Designvorschläge machen und wieder ein anderer probierte ein „Porsche-Design“ aus. Und wer Farben und Stil der eigenen Website vorgibt, hat die App nach wenigen Minuten im passenden Look. Auch das gründliche Testen beeindruckte, vor allem Teilnehmende mit Softwareerfahrung: Claude prüft viele Kombinationen durch, bis hin zu den mobilen Ansichten. „Ich bin schwer beeindruckt – aber auch ein bisschen abgehängt“, hieß es aus der Runde.

Erst aufschreiben, dann bauen

Ein Kernthema war die Dokumentation. Oliver empfahl, jede Erweiterung zuerst kurz als Auftrag aufzuschreiben, mit Claude zu besprechen und erst dann bauen zu lassen. So bleibt nachvollziehbar, was warum entstanden ist, und einzelne Schritte lassen sich sauber zurückbauen – was ein Teilnehmer gleich ausprobierte, als ihm eine Automatisierung zu unheimlich wurde. Andere berichteten aus Erfahrung: Wer ohne Plan immer mehr Funktionen ergänzt, erlebt irgendwann, dass doppelt gebaut wird oder Dinge verloren gehen.

Wie geht es weiter?

Aus der Runde kamen viele Ideen: Fundus auf dem Handy nutzen, eine Suchfunktion, eine Rezept- oder To-do-Variante. Wer Webhosting hat, kann eine entsprechend umgebaute App auf dem eigenen Webspace betreiben, mit Passwortschutz. Ein Teilnehmer lässt Apps in der Cloud-Umgebung von Claude bauen und lädt sie als Android-App aufs Handy. Wichtig vorab: klären, ob die App nur für einen selbst, für ein Team oder für Kunden gedacht ist, und Passwörter nie in den Chat schreiben. Gesprochen wurde auch darüber, wie sich Berufsbilder verändern. Für kleine Unternehmen und Gründer:innen eröffnet sich viele Möglichkeiten: Individuelle Lösungen, die früher zu aufwendig waren, sind plötzlich machbar, und wer Aufgaben gut beschreiben und delegieren kann, hat einen echten Vorteil. Der beste und doch einfachste Rat kam zum Abschied: einfach machen und selbst herausfinden, wie die Zusammenarbeit mit der KI am besten funktioniert.

Das nehmen wir von diesem Abend mit:

  • Eine eigene App ist in wenigen Minuten Bauzeit möglich – entscheidend ist eine klare Idee.
  • In kleinen Schritten bauen und zwischendurch entscheiden, wenn das Ziel noch offen ist.
  • Erst aufschreiben, dann bauen: So bleibt jede Erweiterung nachvollziehbar.
  • Gleicher Auftrag, andere Ergebnisse – Vorschläge lesen und bewusst freigeben.
  • Sicher arbeiten: abgegrenzter Ordner, harmlose Testdaten, keine Passwörter im Chat.

Genau für solche Abende – wo jeder am eigenen Laptop arbeiten kann und doch ein gemeinsamer Bildschirm alle durch den Abend führt, dazu genügend Platz zum Austauschen – dafür braucht es den passenden Raum. Der Besprechungsraum Wilhelmstein bot dafür den perfekten Rahmen: Platz und Technik wie interaktives Display und Videokonferenzsystem, ideal für Workshops und Team-Sessions – auch mit Deinem eigenen Team.

Der nächste KI-Stammtisch findet am Montag, 30. November 2026, um 18 Uhr statt. Wer bis dahin etwas Eigenes gebaut hat, bringt es gern mit. Hier geht es zur Anmeldung.

Lust, einen Besprechungsraum für Deinen nächsten Workshop oder Dein Team-Meeting kennenzulernen? Vereinbare eine Besichtigung.

Ein herzliches Dankeschön an Oliver Werner für den praxisnahen Abend und die sorgfältige Vorbereitung, in die er rund fünf Stunden gesteckt hat – und an alle, die mit eigenem Laptop, Neugier und vielen Fragen dabei waren.

Häufige Fragen

Wo findet der KI-Stammtisch in Springe statt?
Im Ankerplatz Springe, Industriestraße 17 H, 2. OG, direkt am Bahnhof Springe.

Wie oft findet er statt und was kostet er?
Jeden letzten Montag im Monat, üblicherweise von 18 bis 20 Uhr. Die Teilnahme ist kostenfrei, Getränke und Snacks sind inklusive.

Brauche ich Programmierkenntnisse?
Nein. Beim Bau-Abend waren wir in der Rolle der Fachabteilung: Wir beschreiben, was wir brauchen, und Claude baut. Bei Mitmach-Abenden bringst Du am besten Deinen eigenen Laptop mit.

Wie melde ich mich an?
Über unsere Startseite unter Veranstaltungen – auch, wenn Du noch kein Nutzer bist.

Viele Grüße,
Eure Meike

Das Titelbild ist mit KI generiert – aber der Raum ist echt! :-)

Unser nächster Termin:

KI-Stammtisch „Meer Business mit KI“ am 30. November 2026, 18 Uhr

Offener Austausch rund um KI im Alltag – kostenfrei, mit Getränken und Snacks. Bring gern Deine eigenen KI-Projekte mit.

Melde Dich gerne auf unserer Startseite unter Veranstaltungen an – auch, wenn Du noch kein Nutzer bist. Unternehmer:innen, Selbstständige und alle Interessierten sind willkommen.